Unsere Segeltörns
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Südengland

Unsere Reise nach Südengland nur wir zwei !!
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Endlich geht es Richtung Nieuwpoort! Wir haben vier Wochen Schiffsleben vor uns und sind gespannt, wie unser Törn zu zweit verläuft. Erstmals müde aber glücklich, nach 8,5 Stunden Autofahrt, legen wir uns in unsere Koje. Wie immer schlafen wir ausgezeichnet.

Die Sonne lacht. Am nächten Morgen wird eingepufft. Jürg macht dies und das…. Ich gehe auf Grosseinkauf und schleppe Pasta, Brot und vieles mehr an Bord.

Jean Luc und Karin, unsere Bootsnachbarn, berichten uns über schlechtes Wetter für die kommende Woche. Wir werden sehn!

Montag ist unser 1. Segeltag. Bei herrlichem Wetter und 4-6 Beaufort schnuppern wir die angenehm salzige Meeresluft. Gespannt und freudig sind wir startklar!

Doch nun kommt die Schlechtwetterfront mit bis zu 8-9 Beaufort und wirft unseren Plan vorerst über den Haufen. Ziel für Montag wäre Dunkerque gewesen. So müssen wir uns bis Mittwoch gedulden. Wind immer noch aus Westen! Ungewiss starten wir und behalten uns die Möglichkeit offen, um nach Nieuwpoort zurück zu segeln. Doch der Motor und unterstützender Strom von hinten meinen es gut mit uns. Das Fahrwasser ist mit unzähligen grünen und roten Bojen markiert. Um 17.10 liegt unsere Cayun fest im Hafen von Dunkerque. Gemeinsam erkunden wir den Hafen und fahren per Bus ins Zentrum. Dort lassen wir uns Pizza`s Fruit de Mer servieren. Et vivre la France!!!

Da am nächsten Tag für gute Strombedingungen, früh um 6 Uhr Tagwache angesagt ist, legen wir uns zeitig in unsere Kojen. Leider kommt der Wind immer noch aus Richtung West. Genau da, wo wir hin wollen! Also motoren wir erneut. Mit 8 Knoten kommen wir gut voran. Kurz entschlossen ziehen wir an Calais vorbei. Neues Ziel Boulogne sur Mer. Calais kann warten und wir verschieben es auf den Rückweg. Aber erstmals wollen wir westwärts. Sobald das Cap Gris Nez gerundet ist, segeln wir bei strahlender Sonne nach Boulogne. Wir geniessen es in vollen Zügen. Um 16 Uhr sind die Leinen fest. Zeit genug um das Städtli zu besichtigen. Es gefällt uns sehr gut. Ein weiteres Highlight; Wir beobachten das geschickte Anlegemanöver der Mercedes, ein alter Zweimaster. Nach den Törnvorbereitungen für den Freitag, essen wir gemütlich ein fürstliches Nachtessen. Filet, Bratkartoffeln und Gemüse et un peu du vin rouge, mais biensure!!

Für Freitag ist wieder viel Wind angesagt. Tagwache um 4.45 Uhr und dann Entscheidungen treffen. Jürg will nicht so recht raus. Macht ja nichts! Zuviel Wind und Sturmwarnung. Wir bleiben weiterhin in Boulogne. Schön, dann schlafen wir nochmals eine Runde. Wir frühstücken ausgiebig und lassen es uns gut gehen. Mehr Gelassenheit bestimmt unseren Alltag. Die Sonne lacht wieder. Nach einem langen Spaziergang zieht es uns auf die Cayun zurück. Ich gönne mir ein Sonnenbad und mein Liebster ist am „mechen“. Der Aussenborder braucht einen neuen Scherbolzen. Super, das Ding läuft wie geschmiert! Jürg hilft einem Motorbootfahrer beim Anlegen. 450 PS, aber nur wenig Ahnung wie anlegen. Oh ups! Schwups und weg war die Brille. Ich weiss nur zu gute, mein Jürg versenkt gerne Sachen im Meer. Doch dieses Mal ist er unschuldig. Zum Glück hat er zwei Sonnenbrillen dabei.

Wir beschliessen einen weiteren Tag anzuhängen. Am Wochenende ist Fétes de la Mer! Die Stimmung ist festlich, fröhlich und locker. Es wird getanzt, gegessen und gefestet. Der Duft von geräuchertem Hering lockt uns an. An diesem Stand sehen wir echte Seebären. Ich bin fasziniert und denke später oft an die Beiden zurück. Immer wenn ich Kraft oder Mut brauche.

So endlich geht`s weiter. Anstatt nach Dieppe zu segeln, beschliessen wir in Richtung England aufzubrechen. Das 1. Mal überqueren wir mit der Cayun voller Spannung den Kanal. Obwohl Wind mit bis zu 7 Beaufort angesagt ist, laufen wir um 05.55 aus Boulogne aus. Nach meinem Gefühl und meiner Anspannung an, könnte man fast glauben, wir überqueren den Atlantik. Von Anfang an bläst es uns zügig um die Ohren. Kaum aus dem sicheren Hafen sichten wir die erste Regenwand. Oh weia! Der Regen prasselt auf uns nieder! Wir geben aber nicht so schnell auf. Obwohl auch Jürg nicht sehr optimistisch aussieht, denken wir nicht an Rückkehr. Mittlerweile bläst der Wind mit 6-7 Beaufort. Wir kommen schnell vorwärts und bald ist kein Land mehr in Sicht. Ich bin froh, dass ich mich warm angezogen habe. Mit langen Unterhosen, Ölzeug und warmer Mütze ist es gut auszuhalten. Ich weiss, es ist Sommer, aber es ist wirklich frisch! Starken Wind und hoher Wellengang meistert die Cayun mit Bavour. Meine Gefühle schwanken zwischen Optimismus und Respekt. Meine Kraft schöpfe ich aus Erinnerung an einen der beiden Seebären, dessen Weg wir in Boulogne Sur Mer oft gekreuzt haben. Endlich lässt der Wind etwas nach, aber nur für kurze Zeit. Zum Glück kommt jetzt die Sonne noch. Mit Sonne sieht alles viel easier aus. Leider dreht der Wind. Für uns nicht wirklich optimal. Der Wind bläst uns jetzt auf die Nase, was für uns heisst; aufkreuzen. Nach 8 Wenden, Windstärke 6 bis 7 gegen uns und auch der Strom immer noch gegen uns, starten wir den Motor. Bis Eastbourne sind es noch gute 5,5 sm. Um 17.00 sind wir schliesslich vor der Hafeneinfahrt und bergen die Segel. Kurz später befinden wir uns in der Schleuse. Windstill, es ist heiss und am liebsten würden wir uns unsere Klamotten vom Leib reissen. Doch dafür ist noch keine Zeit. Herzlich werden wir begrüsst. Eine Zuschauerin sagt zu uns ganz trocken: the sea is very rough, is`nt!! Ich antworte erschöpft, aber glücklich nur noch, ja so ist es. Wir sind beide stolz und glücklich, dass wir die Überfahrt so gut gemeistert haben. So, nun endlich raus, aus den warmen Kleider. Die Leinen der Cayun sind fest und wir haben uns ein Happy landing drink verdient. So langsam wird uns beiden auch bewusst, was wir heute geleistet haben. Glücklich geht der Tag zu Ende und schlafen zufrieden ein. Nach einem herrlichen Tag im lieblichen Eastbourne essen wir am Abend fürstlich auf unserer Cayun en feine z`Nacht. Nach zwei wundervollen Tagen geht es nun weiter Richtung Brighton. Mit Unterstützung der Strömung von fast 2 Knoten rauschen wir buchstäblich mit 8 Knoten Fahrt über Grund und erreichen unser Ziel früher als erwartet. Kurz entschlossen hängen wir noch acht Seemeilen an und segeln nach Shoreham by Sea. So wird der nächste Schlag kürzer. Da wir schneller unterwegs sind als angenommen, müssen wir vor der Schleuse eine ganze Stunde unzählige Runden drehen im Vorhafen. Endlich hat`s genügend Wasser und so fahren wir in die Schleuse. Doch oh Schreck, Schei….. wo können wir festmachen!!!??? Da die kleine Schleuse erneuert wird, fahren wir mit dem grossen Frachter in die riesige Schleuse hinein. Wir haben so unsere Mühe, da ausser einem kleinen Ring und einer rostigen Treppe, keine Festmachmöglichkeiten bestehen. Schliesslich doch irgendwie fest, steigen wir mit dem Wasser rasant nach oben. Der Hub war ca. 6 Meter. Im Reeds wird der Hafen als sehr gastfreundlich beschrieben. Visitor`s are welcome. Doch wo sind hier Gäste? Und wo gibt es einen Platz für uns? Wir gehen längsseits an eine englische Yacht, Fender alle nach Steuerbord und machen die Leinen fest. Der starke Wind drückt uns an unserern Nachbar doch wir fühlen uns sicher. Der Hafen ist bescheiden und die Duschen sind kein Vergleich zu den edlen Duschmöglichkeiten von Eastbourne. Ist ja nur für eine Nacht. Wie immer hören wir täglich mehrmals the shipping forecast auf BBC. Für den nächsten Tag ist Galewarning angesagt. Also mehr, mehr und noch mehr Wind! So bleiben wir eine…., zwei…., drei…. vier weitere Nächte hier hängen. Zwei Tage erkunden wir Brighton und Shoreham. Ah und zwischendurch gibt`s sicher wieder einmal etwas zu steichen! Das Bad wird mit Band abgeklebt und los geht`s. Es scheint schon viel heller. Wir sind begeistert, obwohl die Farbe nicht reichte. Freitag und wir hängen immer noch hier fest. Heute bläst der Wind bereits im Hafen mit 28 Knoten. Nach der Tagwache um 4.45 und BBC meldet immer noch Sturmwarnung, legen wir uns zurück in unsere warmen Koje. Gemütlich stehen wir um 9.30 auf und geniessen einen starken Kaffee mit Frühstück. Es stürmt und regnet, aber zum Glück hagelt es nicht mehr. Denn gestern Abend erlebten wir Blitz, Donner und Hagel. Richtig gruusig! Kurz vor dem Donnerwetter legt ein belgisches Schiff längseits an die Cayun an. Wir helfen den neuen Nachbarn beim festmachen und sind vor dem heftigen Regen wieder im Inneren. Am nächsten Morgen kommen wir schnell ins Gespräch. Unsere Schiffsnachbarn schenken uns selbstgeangelte Makrelen. Zum Dank reichen wir Ihnen einen Rotwein rüber. Nachmittags klappern wir erneut Shoreham ab. Ah, da geht was!! Vor der Hafenbar wird ein grosses Zelt aufgebaut. Wir spassen herum und freuen uns auf die Beachparty. In diesem verschlafenen Nest geht am Abend die Post ab. Zum 60. Geburtstag eines Engländers spielt eine Rockband. Alles trifft sich, trinkt und tanzt miteinander. Das war so lässig, ein super fäziger Abend.

Mit endlich weniger Wind versuchen wir Richtung Isle of Wight zu gelangen. Vorerst motoren wir in Begleitung unserer neuen Freunde. Da es wieder gegen den Wind geht, wird es schwierig, auch angesichts des immer mehr zunehmenden Westwinds. Schliesslich geben die 4 Belgier auf und kehren um. Wer weiss, vielleicht sehen wir uns irgendwo, irgendwann wieder. Kurze Zeit später geben auch wir auf und segeln Richtung Brigthon zurück. Vor dem Wind segeln wir schnell, erneut bis zu 7 Knoten. So geil!!

Am späten Nachmittag liegt die Cayun längsseits an einem luxeriösen, holländischen Segelschiff in Newhafen. Uns kann der neue Nachbar nicht glauben, dass laut BBC für den morgigen Tag erneut bis 7 Beaufort angekündigt sind. Er glaubt, dass es am kommenden Tag nur eine leichte Brise weht. Wie immer gehen wir auf Erkundungstour. Auf der Anhöhe wandern wir den steilen, kalkhaltigen Küste entlang. Es bläst uns beinahe weg. Ich fühle mich, wie in einem Rosamunde Pilchner Film, als wir den Klippen entlang laufen.

Zwei Tage später segeln wir weiter. Es wird ein kurzer Schlag, nur etwa 15 Seemeilen bis zu unserem Lieblingshafen in Eastbourne. Dort treffen wir auf ein schweizer Ehepaar aus Grüningen. Kaum zu glauben, die sind mit ihrem 10 Meter langen Motorboot, welches ursprünglich auf dem Zürichsee war, bis hierher nach England gefahren. S`Dorli und dä Richi laden wir auf die Cayun zu Kaffee und Kuchen ein. Spannend erzählen sie von ihrer Reise von der Schweiz bis nach England. Ich muss nun noch auf Einkauf, natürlich frischen Food und keine Schuhe. Jürg testet das Schlauchboot und den Aussenborder und kurvt im ganzen Hafenbecken umher. Ich freue mich schon auf`s Wassertaxi. Doch bis ich zurück bin, sehe ich weit und breit kein Jürg und auch kein Boot. So schleppe ich meine schweren Einkaufstaschen eben so an Bord.

Am Abend sind wir auf der Motorjacht eingeladen und die zwei zeigen uns ihr momentanes Zuhause. Gesellig sitzen wir beisammen. Trotzdem bin ich glücklich, als wir wieder auf der Cayun sind. Es sind einfach zwei verschiedene Welten, die Segler und Motorböötler.

Super heute geht`s weiter Richtung Dover. Es liegt ein langer Segeltag vor uns. Um 4.30 ist Tagwache und nach einem kurzen Frühstück befinden wir uns bereits in der Schleuse. So langsam fühle ich mich immer gelassener in den Look`s. Der Sonnenaufgang ist faszinierend schön. Wir surfen über die hohen Wellen. Mit viel Wind im Rücken erreichen wir Dover in knapp 8 Stunden. Trotz des starken Windes ist es viel leichter mit Rückenwind zu segeln. Die Hafeneinfahrt ist bei dem stürmischen Wellengang nochmals ein ganz besonderes feeling. Selbst im sonst ruhigen und geschützten Hafen tobt das Wasser noch gewaltig. Aber das gute und entspannende Gefühl nach dem Festmachen geniesse ich immer ganz intensiv. Ebenso eine warme Dusche tut gut. Das Salz können wir jeweils am Abend von unseren Gesichter kratzen. Obwohl ich den salzigen Geschmack liebe, bin ich froh, wenn das klebrige auf der Haut wieder weg ist.

Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben. Da jedoch das hunderjährige Jubiläum der 1.Kanalüberquerung mit dem Flugzeug gefeiert wird, zögern wir keine Sekunde, um länger hier zu bleiben. Zur Belohnung gibt`s eine Vorführung des Lifeboats, eine Flugshow mit zahlreichen Doppeldecker und alten Flieger und zur Krönung ein atemberaubendes Feuerwerk.

So genug gefeiert! Weiter geht`s nach Harwick. Das heisst zuerst Richtung Osten bis zum südöstlichsten Teil Englands, dann den Blinker nach links stellen, Richtung Norden über der Flussmündung der Themse und noch ein paar Kurven um einige Feuerschiffe usw….

Am frühen Morgen laufen mit uns etwa weiteren 10 Schiffe aus. Schnell wird klar, dass nicht alle das gleiche Ziel haben. So geht jeder seinen Weg und wir sehen die anderen Schiffe immer kleiner und kleiner werden und schliesslich in der Ferne verschwinden. Da wir Richtung Osten fahren, erleben wir nochmals einen wundervollen Sonnenaufgang. Es glitzert auf der Wasseroberfläche und der Himmel erleuchtet in einer gelb-orange-rosa Farbpalette. Ich liebe diesen Anblick und geniesse diese morgentliche Stimmung.Später wird die Sonne wieder sehr intensiv und ich ermahne Jürg etwa zum hundersten Mal sich einzucremen. Schön brav, lässt er sich dann von mir verwöhnen und ich darf ihm mit Faktor 50 einschmieren. Er geniesst meinen Eincremeservice und rasch klingt es; Lili gib mir no rasch…., chasch mir no......, häsch no schnell.......

Mit zeitweise 9 Knoten über Grund surfen wir über das Meer. Faszinierend, doch ich habe grossen Respekt vor dem Wasser und ich bin froh, dass ich keine Mühe mit den hohen Wellen habe.